Hausgemachter Sekt


Nach zwei Tagen „Pause“ war die Schokotorte alle und wir waren wieder bereit los zu ziehen, diesmal ging es allerdings noch ein Stück weiter nördlich als Abel Tasman – zum Farewell Spit, einer sehr markanten etwa 30 Kilometer langen Landzunge und dem Nördlichsten Punkt auf der Südinsel.

Diesmal mit von der Partie war Nadia, eine nette Bayerin, die wir vom Zeltplatz in Motueka kennen. Schon die gut 100km Hinweg waren aus dem Grund spannend, weil wir unseren ganzen Kram und eine Zusätzliche Person mitnehmen mussten, plus ihr Gepäck! Zu dem Zeitpunkt dachte ich schon, dass unser Dreckspatz voll ist (Nadia saß hinter mir und hinter Matze war die Rückbank umgeklappt und unser ganzes Zeug bis an die Decke gestapelt, Innenspiegel war also nicht mehr), aber die Rückfahrt hat uns vor eine noch größere Herausforderung gestellt – dazu später mehr.

Unser genaues Ziel war ein Zeltplatz am Wharariki Beach, den uns Ben, Phil und Peter empfohlen haben, die wir schon aus Napier kannten und eben auf der Südinsel wiedergetroffen haben und die uns dort auch schon erwartet haben.

Dort angekommen mussten natürlich erst mal die Zelte aufgebaut und unser Zeug in die Küche gebracht, gequatscht und der Zeltplatz erkundet werden, irgendwie war es dann auch schon spät und so war von dem ersten Tag dann auch nicht mehr viel übrig. Später sind dann auch noch die beiden Thüringer Sabrina und David zu uns gestoßen. Abends haben wir dann ein wenig gefeiert, aber da meine liebe Verwandtschaft hier mitliest, werde ich mich dazu nicht weiter äußern – nur so viel: der anwesende Kanadier hat sich sehr über uns amüsiert und als ihm der Liedtitel „Ich bin so froh, dass ich ´n Mädchen bin“ übersetzt wurde und nur die Kerle getanzt haben wird sich wohl sein Bild von Deutschland verändert haben.

Der Morgen danach...

Ben und Phil sind wieder zurück nach Motueka gefahren um da Party mit den Chilenen und Spaniern zu machen und Peter hat sich kurzerhand entschlossen doch noch eine Nacht mit uns am Strand zu bleiben.

Nach dem Frühstück sind wir dann erst mal ein Stück Strecke zurück gefahren um uns Collingwood anzugucken, wir dachten ja allen ernstes, dass das eine große Stadt ist. Sie ist durchaus mit ihren 30 Häusern oder so die größte Ansiedlung in der Gegend. Da wir dort recht schnell durch waren haben wir uns dann auf die Suche nach einer Höhle gemacht, die ganz in der nähe sein sollte.

Wie immer hatten wir Glück. Es war Nebensaison und deshalb gab es keine Führungen, was uns allerdings nicht davon abgehalten hat trotzdem nach dem Höhleneingang zu suchen und unsere Taschen- und Stirnlampen hatten wir ja sowieso einstecken. Zu unserem Erstaunen war der Eingang ohne Tor und so konnten wir einfach reingehen. Drinnen erwarteten uns dann, nicht zum letzten mal an diesem Tag, beeindruckende Bilder – also da hingen keine Bilder, ihr wisst was ich mein. Einmal eine Höhle zu „erkunden“ macht schon Spaß, es gab zwar im Prinzip nur einen Weg, aber so ganz ohne jemand der Ahnung hat ist das schon spannend. Nach ein paar hundert Metern (ich kann das so schlecht einschätzen in einer Höhle) war dann allerdings doch ein Eisentor und es ging nicht weiter – da war dann wohl der wirklich interessante Teil. Aber egal, wir hatten jetzt schon eine ganze Menge gesehen und machten uns auf den Rückweg zum Campingplatz.

Es hatte endlich aufgehört zu regnen und so haben wir noch ein paar mal angehalten um dies und jenes zu fotografieren. Bei einem Stopp ist dann zu allem Überfluss die Verrieglung der Fahrertür kaputt gegangen und wir haben sie dann mit einem Kabelbinder für die Fahrt verschlossen – ich bin durch das Fenster ausgestiegen. Mit ein wenig Panzertape und Sekundenkleber haben wir das dann wieder „repariert“.

Auf Peters anraten sind wir dann kurz vor Sonnenuntergang in Richtung Strand aufgebrochen (er und Phil und Ben meinten, dass das der wohl schönste Ort der Welt sei, was keiner von uns so richtig glauben wollte – zu Unrecht!). Schon allein der Weg dort hin war Atemberaubend. Wie es dann am Strand war kann man eigentlich nicht in Worte fassen – ich kann es zumindest nicht. Ich hätte auch nie geglaubt, dass es so etwas wie einen „Perfekten Augenblick“ gibt, aber da war er! Es war irgendwie ein wenig surreal, aber irgendwie auch einfach nur schön. Während dieses Sonnenuntergangs war alles andere so weit weg. Wahrscheinlich fühlt man sich so wenn man gekifft oder andere Drogen eingeworfen hat – ich war einfach nur glücklich in diesem Moment dort zu sein und nicht irgendwo anders. Meine Bilder sind leider nicht so schön geworden, da ich ich Wasser gelaufen bin und die Spieglung am Strand dadurch nicht fotografieren konnte, aber das haben Matze und Peter für mich gemacht. Ein paar Worte zum Strand: er ist in etwa zwei Kilometer lang, das Ufer ist übersät mit kleinen Höhlen, am Strand sind riesige Gesteinsformationen zu sehen und er ist nur bei Ebbe zugänglich UND wir hatten das Glück auch noch den Sonnenuntergang zu haben – wie gesagt es war unbeschreiblich schön!

 

Der nächste Morgen stellte uns gleich vor mehrere Herausforderungen: es hatte die ganze Nacht geregnet und gestürmt – unser Zelt war also nass, wir mussten eigentlich um zehn den Platz verlassen – es hat aber bis 5 vor 10 geregnet und wir mussten jetzt in unserem überfüllten Auto auch noch Peter und sein Gepäck mitnehmen!

Das erste Problem haben wir gelöst indem wir das Zelt nicht wirklich eingepackt, sondern nur „zusammengeknüllt haben“ und Matze hatte es dann während der ganzen Rückfahrt zwischen den Beinen – ich durfte wieder fahren. Zweitens hat sich fast von selbst geklärt, als uns dann der Zeltplatzbesitzer im wahrsten Sinne des Wortes „raus gekehrt“ hat und drittens lies sich nur lösen, weil Sabrina und David zum Glück ja auch noch da waren und ein bisschen Kram in ihr Auto genommen haben, sodass wir Nadia und Peter mitnehmen konnten. Die beiden Thüringer haben uns unser Zeug dann am nächsten Tag in Motueka vorbeigebracht, weil sie noch einen Tag länger geblieben sind.

Mit einem also diesmal extrem vollgepackten Dreckspatz sind wir dann mit einem Abstecher und, wie Matze es so schön genannt hat, Sandhüpfen am Farewell Spit zurück nach Motueka gefahren um unsere nächsten Schritte zu „planen“ (planen klingt immer so toll, aber im Endeffekt war nichts so richtig geplant).Auf der Fahrt haben wir noch kurz an den „Pupu Springs“ angehalten, den klarsten Quellen Neuseelands, allerdings hat es da wieder geregnet, es war also eine sehr nasse Angelegenheit und damit war das Wochenende dann auch Geschichte.


Am darauf folgenden Dienstag sind wir dann mit Peter noch einmal nach Nelson gefahren um ein paar Kleinigkeiten einzukaufen bzw. hauptsächlich, weil Dienstags ein Piercer für nur 10NZ$ Piercings sticht und Matze und ich uns irgendwie gesagt haben, dass wir das Nutzen müssen... Wie dem auch sei, wir haben uns was am Ohr stechen lassen, also nix besonderes. Am frühen Abend ist dann Doreen zu uns gestoßen (ihr erinnert euch? Die Deutsche, die wir im Tongariro kennengelernt hatten, die war auch mit in Motueka). Eine neue Reisegruppe ist also entstanden: Doreen und Peter in Graham (der Name ihres Vans) und Matze und ich in unserem geliebten Dreckspatz und unser Ziel war der Nelson Lakes Nationalpark.

 

Merkt ihr es? Das wird ein laaaaanger Blog, ich bin noch nicht mal bei der Hälfte meiner Stichwörter!

 

Mittwoch 30.03.2011

Die Nächste Wanderung steht an. Diesmal sind Drei Tage und zwei Übernachtungen geplant. Am ersten Tag sind wir nur am ca. zehn oder elf Kilometer am Ufer des Lake Rotoiti lang gelaufen und haben dann in der Cold Water Hut (dt.: Kaltes-Wasser-Hütte) geschlafen, die ihrem Namen alle ehre gemacht hat. Den Kamin sollte man nicht anfeuern, weil man sonst die ganze Hütte eingeräuchert hätte, also ist es kalt geblieben. Das einzige erwähnenswerte an diesem Tag war, dass Peter eben in dieser Hütte mitten im Nirgendwo einen deutschen getroffen hat, mit dem er nach Neuseeland geflogen ist.

Am nächsten Tag ging´s eilig und früh aus der Falle“, denn wir hatten zwar kilometertechnisch die gleiche Strecke, aber gut 1000 Höhenmeter vor uns. Die ersten Stunden und Kilometer gingen auch noch, aber ich hatte das Gefühl, dass wir auf dem letzten Kilometer mindestens 800 hoch gestiegen sind.

Als Belohnung erwartete uns dann allerdings ein noch nicht mal vier Monate alte NEUE Hütte! Ok, dafür hat sie auch dreimal so viel gekostet wie die kalte vom Vorabend. Dort durften wir auch den Kamin anfeuern und es uns gemütlich machen. Noch ein wenig Karten gespielt, etwas gegessen und ein wenig mit den anderen auf der Hütte gequatscht und dann aber ab in den Schlafsack.

Der dritte Tag der Wanderung sollte eigentlich der mit der schönsten Aussicht sein. Die letzten knapp 200 Meter Aufstieg waren auch noch sonnig, aber je näher wir dem Gebiet kamen, wo man diesen supertollen Ausblick haben sollte, desto kälter und nebliger wurde es. Erst kurz vor dem Abstieg ist es wieder aufgelockert und wir hatten eine super Sicht auf Aotaeroa – das Land der Langen weißen Wolke.

 

 

Nach dieser, wieder einmal beeindrucken Wanderung, ging es direkt an die Westküste nach Westport. Dort angekommen haben wir uns dann zum zweiten mal nach Auckland so halb in einem Hostel einquartiert. Halb deswegen, weil wir trotzdem im Auto geschlafen haben, aber die komplette Einrichtung wie Küche, Duschen etc. nutzen durften. Dort haben wir dann den Abend und die halbe Nacht damit verbracht Brot zu backen und Wäsche zu waschen. Außerdem war es ganz gut dass wir in der Nacht im Hostel waren, weil es wie aus Eimern geregnet hat.

Am nächsten Morgen war mal wieder so etwas wie Planung gefragt und irgendwie konnten wir uns nicht so richtig einigen. Doreen wollte unbedingt nach Karamea fahren, Matze und (wenn ich mich richtig erinnere, vor allem) ich wollten das schon allein wegen der Strecke nicht und außerdem wussten wir nicht was uns da erwartet. Also haben wir uns kurzerhand getrennt und Doreen ist mit Peter Nach Karamea und Matze mit mir schon ein Stück Richtung Süden gefahren. Vorher haben wir die beiden allerdings noch ein Stück nach Norden bis zum Charming Creek begleitet. Dort haben wir eine sehr interessante, mehrstündige Wanderung auf einer alten Goldgräber Bahnstrecke gemacht, danach sind Matze und ich wirklich Richtung Süden gefahren um das zu machen, was wir schon länger vorhatten: ein Messer schmieden!

 

Auf jedem Zeltplatz, in jeder Touristeninfo und auch sonst überall hat man so Riesenständer mit massenhaft Werbeprospekten für alle möglichen Attraktionen. Uns ist ein Flyer in die Hände gefallen, der das selbst schmieden eines Messer bewirbt und wie wahrscheinlich jeder Kerl haben wir uns gedacht: Müssen wir machen, denn wir sind Männer! Ähm... wie dem auch sei, auf jeden Fall hat es gerade gepasst dass Doreen und Peter was anderes zu tun hatten und so haben wir uns für danach wieder verabredet.

Das Messerschmieden war echt lustig. Unsere Hosts, also „Gastgeber“, waren Steven und seine Frau Robyn. Die beiden haben laut eigener Aussage schon über 16000 Messer mit Leuten wie uns geschmiedet und sehen sich als „unsere Eltern“, solange wir in Neuseeland sind. Das Messerschmieden kann ich jetzt nicht weiter beschreiben... draufhaun, schleifen, sägen, feilen, schleifen, polieren, etc... Am Ende hatten wir dann auf jeden Fall jeder ein schönes, sehr individuelles Messer. Und am Ende bin ich jetzt auch und zwar mit dem Blog!

 

Ach nee... noch nicht ganz! Wie war der Titel gleich noch mal? Hausgemachter Sekt! Und warum? Steven hat die ganze Zeit während des Messerschmiedens erzählt, dass es zum Schluss Champagner gibt (auf englisch: champaign) allerdings musste er am Ende zugeben, dass der wohl zu teuer wäre, weswegen es nur Barrypaign gäbe (in Anlehnung an Barrytown, wo wir uns aufgehalten haben), was allerdings nichts anderes war, als der Billigste Weißwein aus dem 3-Liter-Tetrapak, dem mit dem Sodasprudler Kohlensäure zugesetzt wurde. Aber der war trotzdem gut – hat auf jeden Fall gedreht! So macht man also Sekt selbst, jetzt wissen wir es!

 

Jetzt ist aber wirklich Schluss!

Trinkt nicht so viel und wenn doch, dann benehmt euch wenigstens!

euer

Robin

 

(Zeitraum vom 22.03. bis 07.04.11)


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